Kreuzfahrt steht vor einem Winter voller Herausforderungen

Hohe Treibstoffpreise, knappes Flüssiggas-Angebot, Mitarbeitermangel und Preisdruck – die Kreuzfahrtindustrie ist nach dem Neustart mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert. Das Letzte, was sie jetzt brauchen kann, sind Preiskämpfe. Doch ob die guten Vorsätze diesbezüglich halten, ist fraglich.

Mit den Ölpreisen sind die Kosten auch für die Kreuzfahrtreedereien nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine deutlich gestiegen. Zwar lag der Rohölpreis für die wichtigsten Sorten zuletzt wieder unter 100 US-Dollar pro Barrel, doch mittelfristig gehen die meisten Experten von anhaltend hohen Energiepreisen aus.

Noch viel stärker als der Preisanstieg bei Schweröl und Schiffsdiesel trifft der enorme Preisanstieg beim Erdgas die bislang noch wenigen Reedereien, die ihre Schiffe mit dem umweltschonenden Flüssiggas LNG betreiben. So haben sich die Erdgaspreise in Euro binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Hinzu kommt, dass Erdgas im Zuge der EU-Sanktionen gegen Russland und russischer Gegenreaktionen zum knappen Gut geworden ist. Und weil die EU-Staaten befürchten, dass ihnen Russland kurzfristig den Gashahn zudrehen könnte, kaufen sie als Ersatz alle LNG-Vorräte auf, derer sie auf dem Weltmarkt habhaft werden können. Das treibt die Preise weiter in die Höhe und schränkt die Verfügbarkeit für die Reedereien ein.

LNG-Schiffe fahren auch mit Diesel

Treffen dürfte dieser Effekt unter anderem die weltweit größte Kreuzfahrtreederei Carnival. Sie betreibt mittlerweile sechs LNG-Schiffe – jeweils zwei bei Carnival Cruise Line, Costa und Aida Cruises. Von Aida Cruises ist bekannt, dass die Schiffe in Deutschland, Norwegen und Spanien mit LNG betankt werden. Die mit LNG betriebenen Kreuzer können auch mit Schiffsdiesel fahren, allerdings darf der LNG-Tank aus technischen Gründen nie ganz leer sein. Experten gehen davon aus, dass die betroffenen Reedereien angesichts des enormen Gaspreisanstiegs und möglicher Versorgungsengpässe ihre LNG-Schiffe häufiger mit Schiffsdiesel betreiben werden als bisher.

So oder so bedeuten die hohen Treibstoffpreise für die Reedereien einen deutlichen Anstieg der Kosten. Bislang haben allerdings nur wenige Anbieter an der Preisschraube gedreht und ihren Kunden für bereits gebuchte Reisen Treibstoffzuschläge aufgebrummt; darunter etwa Plantours. Doch eigentlich müssten die Preise steigen; darin sind sich die meisten Beobachter einig. Doch zugleich sind die Reedereien bestrebt, ihre Schiffe wieder bis auf die letzte Kabine auszulasten, nachdem corona-bedingte Kapazitätsbeschränkungen weitgehend gefallen sind. Deshalb sind durchaus Preisaktionen zu beobachten; auch wenn die Akteure betonen, Preisdisziplin wahren zu wollen.

Personalnot trifft auch die Kreuzfahrt

Erschwerend kommt für die Reedereien hinzu, dass sich die Zahl der Crewmitglieder an Bord der Schiffe vielfach noch nicht wieder auf dem Stand von vor der Pandemie befindet. Besonders für Mitarbeiter aus Asien sind die behördlichen Hürden oft hoch. So lange die Schiffe unterhalb ihrer maximalen Kapazität unterwegs waren, ließ sich das Problem noch meistern; etwa indem einzelne Restaurants geschlossen blieben. Doch bei voller Auslastung dürften die Kunden für solche Maßnahmen wenig Verständnis zeigen.

Ein Thema, von dem die Kreuzfahrtanbieter hoffen, es bald weitgehend ad acta legen zu können, sind Routenänderungen. Sowohl der Ukraine-Krieg als auch die restriktive Corona-Politik vieler asiatischer Staaten machten zahlreiche Änderungen bei Anlaufhäfen und Zustiegsorten erforderlich. Zuletzt änderte TUI Cruises die Asien-Route der Mein Schiff 5 im Winter, nachdem sich abzeichnete, dass Hongkong weiterhin keine größeren Öffnungsschritte plant. Doch insgesamt gehen die Reedereien nun davon aus, dass die allermeisten Routen mittlerweile so angelegt sind, dass die Durchführung sicher ist.

Quelle: Reise vor 9 / Christian Schmicke

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